Bemessung Isokorb

Bemessung Isokorb

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Mi 13. Nov 2019, 16:30

Moin, moin,

anbei mal wieder ein "kleines" Problem, dass im Alltag häufig vorkommt, bei genauerer Betrachtung aber wieder mal zu einer Doktorarbeit wird :?:
In dem beigefügten Grundriss soll eine Balkonplatte frei auskragend über eine Länge von 2,30 m aus einem Gebäude herausgeführt werden.
Nun ist es aber leider so, dass nur relativ wenig Wand als steifes Auflager zur Verfügung steht und darüber hinaus in der Ecke nur eine Stahlstütze stehen soll.
In der Bemessungssoftware von der Fa. Schöck ist jedoch die Anschlusssteifigkeit unbedingt zu berücksichtigen, da sie einen enormen Anteil an der Schnittgrößenermittlung und Verformung haben.
Dieses Problem tritt übrigens eigentlich schon auf, wenn ich Fenster-über Fenster-Situationen mit etwas größeren Öffnungsmaßen habe.
In meinem konkreten Beispiel müsste ich wohl statt des XT-Korbes einen D-Korb von der Fa. Schöck verwenden, jedoch gibt es bei dem Produkt keine Angaben zu Auswahl der erforderlichen Überhöhung.
Kann mir vllt. einer der Kollegen weiterhelfen, wie dieses eigentlich alltägliche Problem rechnerisch sauber zu lösen ist?
Das FE-Programm von Frilo (PLT) ist übrigens nicht in der Lage die Situation abzubilden. Hier kann man zwar einen Schöck-Korb modellieren, tatsächlich wird aber eine monolithische Decke gerechnet, ohne Ansatz der verminderten Steifigkeit, die durch den Isokorb entsteht... quasi wird hier "nur" ein Bemessungsschnitt in die Decke gelegt, der jedoch überhaupt nicht für eine Isokorb-Bemessung geeignet ist.
Über eine schnelle Hilfe würde ich mich sehr freuen.
Auf die Idee, einen kleinen Überzug (17,5/30 cm) zu definieren bin ich übrigens schon selbst gekommen, der Gewinn an Steifigkeit in bezug auf die 20er Decke ist aber natürlich verschwindend gering.

Vielen Dank schon mal im voraus.

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Dieter B. aus B.
 
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Re: Bemessung Isokorb

Ungelesener Beitragvon StefanSt am Mi 13. Nov 2019, 17:00

Ich rechne solche Situationen mit Tripla von Dr. Tornow Software. Denke aber da besteht kein großer Unterschied zur Platte von Frilo.
Tripla rechnet auch eine durchgehende Platte, da aber der zweiachsige Lastabtrag entfällt, werden am Bemessungsschnitt die Hauptmomente sozusagen umgelenkt.
Je nachdem wie die Auflagersteifigkeiten und -Verteilungen sind erhält man manchmal abenteuerliche Isokörbe
Wie groß dort ein Steifigkeitsabfall ist, bzw. ob der überhaupt relevant ist kann ich nicht beurteilen. Bis jetzt ist noch kein Isokorb abgeklappt...
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Re: Bemessung Isokorb

Ungelesener Beitragvon FertigTeilchen am Mi 13. Nov 2019, 17:02

Oh..ha….das ist in der Tat nicht mehr trivial!
Aus Erfahrung verwende ich dann nur noch die normalen 8 cm T Körbe (nicht mehr 12 cm XT)
Das PLT Programm zieht eigentlich nur eine Schnittlinie für den ISO Korb und vergleicht eine Datenbank mit zul. Schnittgrößen, also die Steifigkeit bzw. Labilität ihrer freien Deckenecke dürfte mit PLT sehr wohl richtig zu erfassen sein...………..ob die automatische Bemessung dann noch geht ist nicht wahrscheinlich.
Ich ziehe in diesen Fällen Fa. Schöck Anwendungsberatung zu Rate und habe bisher immer gute Ratschläge und meist auch eine FEM Berechnung aus deren Haus mit ISO Korb Bemessung erhalten.
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Re: Bemessung Isokorb

Ungelesener Beitragvon GK2016 am Mi 13. Nov 2019, 17:58

Hier kann ich mich nur der Aussage von Fertig-Teilchen anschließen. Es ist tatsächlich eine nicht ganz einfache Aufgabe.
In diesem Fall, nur den FE-Ergebnissen vertrauen wäre mir zu gewagt. Ich hätte da meine Bedenken. Auch ist die Ausführung
der Stütze ( Kopfplatte, Größe usw.) von großer Bedeutung. Betrifft z.B. den Durchstandsnachweis ! Im vorliegenden Fall werden
wahrscheinlich Momente, Querkräfte, Drillmomente usw. auftreten, an denen man zu knabbern hat, je nach Deckendicke !
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Re: Bemessung Isokorb

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Do 14. Nov 2019, 06:53

Moin und vielen Dank für die Rückmeldungen.

Tatsächlich habe ich schon bei der Anwendungstechnik von Schöck angerufen. Leider teilten die mir mit, dass das Problem ja eher eine Modellierungsproblem des Gesamtsystems sei und die Anwendungstechniker eben nur das System des Schöck-Korbes beurteilen können/dürfen.
Während des Telefonates habe ich dann ja auch auf die Problematik der heute üblichen Einbausituationen hingewiesen, wo ja häufig mehrere Geschosse übereinanderliegende Fenster haben, vor denen dann ein Balkon auskragt. Also, dass genau diese Fensteröffnung an sich schon eine erhebliche Verminderung der Steifigkeit darstellt und daher das Bemessungsprogramm an sich schon fragwürdig ist. Zumindest ist es in meiner Berufslaufbahn eher selten vorgekommen, dass eine Balkonplatte auskragt und sich darunter eine steife Wand befindet.
Zum PLT von FriLo: leider ist eben dieser reine Schnittgrößenvergleich, den Lochner macht problematisch. Das Programm macht ja die Schnittgrößenermittlung an einer monolithischen Platte mit konstanter Steifigkeit. Kommt nun als Ergebnis ein erforderlicher Isokorb mit einer geringen Laststufe heraus, führt dies zwangsläufig zu einer tatsächlich vorhandenen Erhöhung der Schnittgrößen und der Verformung... als müsste man hier iterativ vorgehen und sich mit den jeweiligen Laststufen der Isokörbe herantasten.
Davon steht in der Programmdokumentation von PLT aber nichts, deshalb kann ich nur davor warnen, dem PLT glauben zu schenken, wenn das Programm einen Isokorb ausgibt.

Tja, also bleibt in meinem konkreten Fall nur die Ausführung eines Überzuges, den ich gnadenlos überbewehren muss, um eine anständige Erhöhung der Steifigkeit zu erzeugen und dann doch wieder mit dem XT Korb (80 oder 120 mm) statt dem D-Korb zu arbeiten, weil mir zu letzterem leider keine Erkenntnisse der erforderlichen Überhöhung vorliegen, auch die Zulassung oder Produktinformation von Schöck geben da nichts her.

Vielen Dank und einen schönen Start in de Tag.
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