Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon paheil am Fr 6. Nov 2020, 12:00

Hallo Kollegen,
habe gerade ein eingeschoßiges Wohnhaus mit (sehr)hohem Kniestock auf dem Tisch. Die Mittelpfette liegt entsprechend nahe an der Außenwand.(Plan anbei) Dadurch entstehen beim Rechnen des Sparrens als Durchlaufträger eine negative Auflagerkraft (-1,43KN/m) allein durch das Eigengewicht. (Datei anbei)
Dem wirk ja das Gewicht des Ringankers entgegen. Das wird aber auch nicht ausreichen, denn ich denke das Mauerwerk kann man da als Eigengewicht nicht mit ansetzen. Deshalb habe ich Stützen im Kniestock angesetzt.
Der Bauunternehmer will am liebsten keine Stützen im Kniestock und schon gar nicht an der Gebäudeecke. Wie handhabt ihr solche Fälle? Bis zu welcher Auflast kann man auf Stützen verzichten? (vorausgesetzt es sind Querwände zur Aussteifung vorhanden). Sind in dem Programm Durchlaufsparren die abhebende Windkräfte (an der Gebäudeecke) bei den Auflagerkräften berücksichtigt. Oder muß man die Sogkräfte zusätzlich berücksichtigen. Wenn man das Windrispenband rechnet gibt es eine senkrechte abhebende Last von 3-5KN am Fußpunkt. Die muß ja auch irgendwo hin ??
Auf eure Meinung und Erfahung bin ich gespannt.
Viele Grüße, Patrick Heil
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Statikplan Dach.pdf
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paheil
 
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon Andreas Taglang am Fr 6. Nov 2020, 15:52

Hallo Herr Heil,

was spricht dagegen, den Kniestock komplett (mit erf. Dämmung) zu betonieren.
Beste Grüße vom Bodensee
Andreas Taglang

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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon K. Hümmerich am Fr 6. Nov 2020, 17:45

Hallo,

eine unangenehme Situation mit den hohen abhebenden Lasten,
die man unbedingt vermeiden sollte.
Was spricht dagegen, wenn du das untere Feld als
Kragarm betrachten würdest.
Natürlich konsequent durchziehen, auch die H-Last muss
abgeleitet werden, d.H. die Mittelpfette hat zweiachsige
Biegung usw. usw.

Grüße KH
K. Hümmerich
 
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon Th. Dobner am Fr 6. Nov 2020, 17:51

Hallo Herr Heil,

durch das kleine Feld wird auch die Last auf die Mittelpfette (unnötig) erhöht. Rechnen Sie das Beispiel mal mit einem 5cm Feld unten und einem 4,65m-Feld oben. Dann bekommen Sie abhebende Lasten bis ins Fundament und irrsinnige Lasten auf die Mittelpfette. Wenn Sie die Balkenlage nicht mit Balkenschuhen an der Mittelpfette befestigen, sondern mittels Sparrenpfettenanker an die Mittelpfette anhängen, rücken die Mittelpfetten noch 20 cm nach innen. Dadurch würde sich das Problem schon mal verringern und die Mittelpfetten bekämen auch etwas weniger Last. Für den Ausbau ist da ja auch meist einfacher, wenn die Balkenlage bis zu den Sparren geht.

Ergänzend zum Vorschlag von Herrn Hümmerich:
Ich hab' mal gelernt, dass man bei einem Einfeldträger mit Kragarm und nur mit Gleichstreckenlast belastet, ein optimales Verhältnis von 1:0,42 hat. Gemeint ist, dass bei einem 1m-Feld der Kragarm dann bei 0,42cm genau 0cm Durchbiegung hat. Also weder positiv noch negativ. Bei Ihnen ist das untere Feld im Verhältnis kleiner zum Feld oben, also entstehen abhebende Kräfte. Wenn Sie das Ganze unten als 1,05m-Kragarm rechnen, hätten Sie anstelle der abhebenden Kräfte eine negative Durchbiegung von max. etwa 0,7cm. Die vertikale Belastung der Mittelpfette würde entsprechend abnehmen und man hätte im Lastfall g anstelle der 7,75kN nur noch 5,90 kN, muss aber wie angesprochen, die Doppelbiegung beachten.
viele Grüße, Thomas Dobner
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon Andreas Taglang am Fr 6. Nov 2020, 18:03

Hallo die Herren,

ja und die Windlasten auf die Giebelwände, also die Längsaussteifung, sehe ich dann problematisch, wenn diese nicht in den Kniestock eingeleitet werden können.

Bekanntlich hält der ausgesteifte Dachstuhl (Scheibe oder WRB) die Giebelwände. :?
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon K. Hümmerich am Fr 6. Nov 2020, 19:37

Hallo nochmal,

......wie man den Giebelwind aufnehmen will, muss natürlich noch geklärt werden, Kollege
Taglang hat darauf hingewiesen......


KH
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon Haevernick am Sa 7. Nov 2020, 09:07

- Man könnte auch die Sparren trennen und 2 Ein-Feld-Sparren herstellen...
- Reduzierung der Durchbiegung des oberen Sparrenfeldes durch zusätzliche Pfettenlage oder eine Kehlbalkenebene...
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon paheil am Di 10. Nov 2020, 06:57

Vielen Dank für Eure Einschätzung und Vorschläge. Ich habe die Variante von Herrn Dobner (Mittelpfette über der Balkenlage => dadurch 20cm größeres Feld unten) durchgerchnet. Das macht schon einiges aus. Die Auflagerkraft aus Eigengewicht am Fußpunkt des Durchlaufsparrens ändert sich von -1,43KN/m auf -0,5KN/m. Dem wirkt dann der Ringanker mit 1,50KN/m entgegen, so daß es bei dieser Kombination keine abhebende Kraft gibt.
Da das aber alles ziemlich knapp ist und die horizontalen Lasten des Giebels über die Windrispenbänder am Kniestock auch abhebend wirken, werde ich wohl 4 Betonstützen in den 10m langen Ringanker einplanen. Das ist in dem Fall aus meiner Sicht ein vertretbarer Aufwand.
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Re: Abhebende Last am Kniestock (Durchlausparren)

Ungelesener Beitragvon K. Hümmerich am Di 10. Nov 2020, 08:59

Hallo nochmal,

einem Statiker soll ja nichts einfallen sagt man, aber Ideen haben darf man.

Eine gute Möglichkeit bestünde auch darin, die Mittelpfetten einfach in Richtung
First zu verschieben, dann gibt es z.B. keine abhebenden Kräfte infolge g am
unteren Sparren-Auflager, gleichzeitig hätte man weniger Last auf der Mittepfette.

Der Ringbalken im First und nebendran ein zweiter bilden offenbar den Abschluss
der darunterliegenden Wände und müssten daher in ihren Endpunkten gehalten werden.

Was den Giebelwind angeht, wenn dieser über eine Verschalung tatsächlich in die Dach-
konstruktion eingeleitet wird, dann stimmt die vielfach verwendete Annahme des Lastabtrages
über die Rispenbänder. Aber die Annahme, dass der gemauerte, steife und nicht elastisch
verformbare Giebel sich gegen die Holzkonstruktion abstützt kann nicht richtig sein.

Grüße KH
K. Hümmerich
 
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