Weiße Wanne

Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Th. Behr am Mo 26. Aug 2019, 16:39

Hallo Kollegen.

Bei einem MFH war ursprünglich ein KG mit 24er MW-AW geplant.
Ich habe die Kellerwände in der Statik als 25er StB. Ortbetonwände gerechnet.
Ausführung als Schwarze Wanne.

Seitens des AG war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar welches System gewählt wird.
Durchdringende Nässe ist seitens des AG auf jeden Fall nicht gewünscht, also Nutzungsklasse A.

Nun hat der AG und der Arch. festgestellt das für eine schwarze Wanne zu wenig Platz baugrubenseitig wegen
Nachbarbebauung ist.

Also Bauunternehmer rangeholt und weiße Wanne vereinbart. Und zwar aus Halbfertigteilen.

Nun plan ich fröhlich auf weiße Wanne und muss nun feststellen das nach neuester WU-Richtlinie der lichte Abstand der
zwei nach oben gehenden Eisen bei Dmax = 8 mm >= 120 mm betragen muss.
Das führt mich nun zu einer 28er Halbfertigteilwand.

Im Betonkalender 2018 ist mein Fall auf Seite 32, Bild 19 b

Wobei ich eigentlich die obere Bewehrungslage der Bodenplatte nach Außen führen will.
Außerdem soll kein Fugenblech eingebaut werden sondern der Anschluss eher wie im beigefügten Bild dargestellt.

Ja, das ist vielleicht eine etwas unorthodoxe Lösung.

Außzug aus Baugrundgutachten:

[Da sich im vorliegenden Baugrund Sicker- und Schichtenwasser vor allem
im Hinterfüllbereich der Baugrube aufstauen kann, muss das Unterge-
schoss gegen mäßige Einwirkungen von drückendem Wasser ≤ 3 m Ein-
tauchtiefe abgedichtet werden. Dies entspricht gemäß DIN 18533 der Ein-
wirkungsklasse W2.1-E für Schichten- und Grundwasser. ]

Für mich ist nun die Frage ob eine Abdichtung, wie ich sie mir ausgedacht habe überhaupt zulässig ist weil es ja keine Fugenbleche gibt.
Da ich solche "Weißen Wannen" noch nicht geplant habe bin ich mir ehrlich gesagt auch nicht sicher ob Fugenbleche überhaupt Pflicht sind?

Ich kann mir nicht vorstellen das der AG sich freuen wird wenn plötzlich 28er StB.-Wände statt der ursprünglich geplante 25er Wände rauskommen.
Alternativ kam mir noch der Gedanke das einfach als Ortbetonwand zu schalen, damit wäre trotzdem eine weiße Wanne möglich und
sehr viel mehr Platz würde man auf der Baustelle auch nicht benötigen.

Hat jemand Erfahrungen mit solchen Sachen und kann mir ggf. einen Rat geben?

Vielen Dank vorab.

MfG - Thomas
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Th. Behr
 
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Th. Behr am Di 27. Aug 2019, 07:13

Guten Morgen.

Nun kam mir gestern Abend noch die Idee das man ja prinzipiell nur die äußere Bewehrung als
Anschlusseisen in Form eines Winkeleisens in die Elementwand führen braucht.

Durch die Verdrehung der Decke infolge Durchbiegung kriegt ja wie bei einer MW-Wand die Innenseite
der StB.-Wand unter Gebäudelast Druck. Statisch erforderliche Vertikalbewehrung im Feld wären innenseitig ca. 2 cm²/m, Mindestbew. nach EC ca. 3 cm.²/m.
Auf der Außenseite sind es ca. 3,5 cm² statisch erforderliche Vewrtikalbewehrung am Anschnitt. Das liegt daran das ich teilweise Wandelemente habe die oben ohne Deckenauflager
sind, also hab ich sie auf der sicheren Seite wie Winkelstützwände gerechnet, daher die Bewehrung an der Außenecke. Ich hab als Anschlussbewrhung 10er L Eisen alle 15 cm gewählt, ausreichend endverankert.
Das müsste locker für die Biegung und die Querkraft in der Fuge ausreichen.

Damit würde der Innenabstand bwi nach WU-Richtlinie eigentlich passen und ich wäre das Problem mit den dicken Elementwänden los.
Außerdem würde ich anstatt der Verpressschläuiche Fugenbänder von Pentaflex einbauen.

Nun finde ich nirgends eine Aussage ob die Anschlussbewehrung aus der Bodenplatte so zulässig ist.

Wie gesagt, für Tipps bzw. wo und welche Litheratur es zu dme Thema gibt wäre ich sehr dankbar.

MfG - Thomas
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon FertigTeilchen am Di 27. Aug 2019, 10:52

Heißes Thema, die weiße Wanne ab 2018 eine muntere Angelegenheit...………

https://www.drytech-germany.de/de/aktue ... linie.html

Ich selber habe auch interpretiert, das Kammerwände dicker werden müssten, ABER die Fertigteilindustrie
hat da wohl rechtzeitig gegengearbeitet, bitte einmal Hersteller zB ABI etc. kontaktieren.

Ich verwende grundsätzlich das KB Fugenelement und eine doppellagige Anschlussbewehrung aus der BoPla.

Weise aber klar und deutlich in der Tragwerksplanung darauf hin, dass eine bauseitige Fach- und Abdichtungsplanung zusätzlich erf. ist.
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Th. Behr am Di 27. Aug 2019, 11:56

Hab den Artikel (Link) mal überflogen.

Also wenn ich das so lese dann kommen ja praktisch nur noch Halbfertigteile in Frage. Da geht das ja noch mit der Hydr.wärme.
Aber wie soll ich denn bei einer Ortbetonwand Risse aus abfließender Hydr.wäre verhindern, geschweigedenn aus Zwang.
Das kann man dooch nur mit Rissbreitenbewehrung und anschließendem Verpressen hinkriegen. :-o

Wegen der Fugenelemente habe ich jetzt Pentaflex gewählt weil das seitens des Fertigteilherstellers ohnehin genommen wird.
Werde jetzt als Anschlusseisen L-Eisen einbauen und dann die Pentafelx Fugenbänder.

Wenn ich vom statischen Modell her eine oben und unten gelenkig gelagerte Wand nehme brauche ich ja prinzipiell die Anschluss-
bewehrung nur gegen Verschieben der Wandelemente. Eigentlich würden da doch auch Schubdorne ausreichen die im inneren Wandelement sitzen.
Da müsste vorab nur exakt positioniert werden.

...Aber ich denke wenn ich gleich hinter der Außenschale die L-Eisen hab und dann nach Innen die Abdichtung müsste das auch funktionieren.


Grüße - Thomas
Th. Behr
 
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Haevernick am Di 27. Aug 2019, 12:13

Hallo,
was mit Elementwänden geht, geht natürlich auch mit Ortbeton. Da muß allerdings über eine Trapezleiste eine Rißführung (Querschnittsreduzierung) vorgegeben werden.
Ein grundsätzliches Detail hierzu z.B. in den Richtzeichnungen oder den Herstellern von Sollrißschienen oder Schwindrohren.
Wenn man die Wand als unbewehrte Wand nachweisen kann, braucht streng genommen keine Anschlußbewehrung vorgesehen werden. Eine konstr. Wandbewehrung braucht dann auch nicht in der Bodenplatte verankert zu werden.
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Th. Behr am Di 27. Aug 2019, 12:59

Ja, soweit klar.

Aber wenn ich ein KG konstruiere steht das doch zu einer bestimmten Tiefe im Erdreich.
Darum ja auch die weiße Wanne. Und Erddruck ist auch da.

Ich denke doch das zumindest gegen Verschieben am Wandfuß bzw. Wandkopf gesichert werden solte.
Auch muss das ja im Bauzustand unverschieblich sein.

Wenn dann irgendwann Last drauf kommt wird die Wand ja sicher durch die Deckenverdrehung auf der Innenseite
so sehr überdrückt das sich nichts mehr verschiebt. Dennoch würde ich konstruktiv immer ne Schubsicherung in Querrichtung einbauen.

Und das ist ja die Krux an der Geschichte. Was ist nun richtiger, zwei Anschlusseisen oder nur das eine (also L-Eisen)?
Im Bauzustand hätte ich dann noch temporär Schrägstützen zur Sicherung vorgesehen. Aber wenn ich so genau drüber nachdenke muss ich für die
Dinger ja auch wieder Löcher in die Wände bohren. Und wenn da ein Bauarbeiter ohne Kopf draußen rumrennt oder ein Stift, die bohren glatt durch die Wand
durch und setzen extra lange Dübel.

Wahrscheinlich mach ich ne Wissenschaft draus und das darf man alle sgar nicht so verbissen sehen. :-o
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon FertigTeilchen am Di 27. Aug 2019, 13:39

...doch, ruhig genauer hinsehen!

Und auf jeden Fall Anschlußbewehrung in die Wand führen!

Nie gegen die a.R.d.T. arbeiten ;-)
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Do 29. Aug 2019, 13:50

Geht es hier um die Anschlussbewehrung von der Sohle in die Halb-FT-Wand?
Wenn ich mich recht entsinne, dürfte die doch theoretisch sogar fehlen, wenn sicher gestellt ist, dass die Reibung am Wandfuß groß genung zur Aufnahme des Erddrucks ist.
Anso maximal einen Stab als Anschlussbewehrung aus der Sohle gucken lassen, damit der erf. Abstand zum Fugenblech (kommt auf den Hersteller an) eingehalten wird.
Hier auch noch ein Aufsatz von Lohmeyer, der in diesem Forum schon des öfteren veröffentlicht wurde und m. E. aber immer noch seine Gültigkeit hat.

Bei den heutigen Anforderungen macht das Ausführen eines Kellers aus Ortbeton leider keinen Sinn mehr, da der Bewehrungsgrad exorbitant ist... auch wenn mein Betonbauerherz das nicht verstehen und wahrhaben mag ;o)

Viele Grüße
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971101 Gottfried Ebeling Die Dreifachwand für Keller_low.pdf
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon Th. Behr am Do 29. Aug 2019, 14:10

Hallo Dieter,

Das ist es. Genauso hab ich mir das gedacht. Ich rechne da jetzt nix nach, ein 10er Eisen aller 15 cm reicht ja auch völlig aus.
Der Keller wird als weiße Wanne gefertigt weil alles andere ne größere Baugrube bedeutet hätte. Arbeitsraum und Böschung wären schon fast
auf dem Nachbargrundstück.

Da wäre kein Platz mehr für den Bagger.

Naja, jetzt hab ichs eigentlich soweit klar mit der weißen Wanne.

Danke für die Tipps an alle. :-)
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Re: Weiße Wanne

Ungelesener Beitragvon FertigTeilchen am Do 29. Aug 2019, 14:12

Dier Artikel ist in Hinblick auf die Standsicherheit zu vertreten,
ABER die a.R.d.T. sehen hier eine doppellagige Anschlußbew. vor,
und wenn dann im KG Bereich irgendwann und irgendwo einmal Wandbeläge
wie zB Fließen reißen......dann ist der sparende Tragwerksplaner der Beschuldigte.
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