Schwindgassen Massivbau

Schwindgassen Massivbau

Ungelesener Beitragvon Achim am Do 15. Okt 2020, 07:17

Guten Morgen Kollegen,

wir stecken aktuell in der statischen Vorplanung eines Gebäudes für betreutes Wohnen und beschäftigen uns mit der Anordnung von Gebäudetrennfugen, Schwindgassen und Dehnfugen.

Eckdaten:
Das Gebäude weist einen L-förmigen Grundriss auf und hat ein Tief- und drei Obergeschosse. Auf die Dachdecke ist ein Holzdachstuhl aufgesetzt. Die Abmessungen sind ca. L x B= 60 x 50 m. Die Umfassungswände sind in einem hochwärmedämmenden Ziegel aus Mauerwerk geplant (Schwindmaß 0,00 mm/m). Trennwände sind aus Schallschutzgründen in Stahlbeton und über ausbetonierte Schalungsziegel vorgesehen. Die Aussteifung funktioniert primär nicht nur über Aufzugs- und Treppenhauskerne ⇾ starke Zwängungen können in diesen Bereichen weitestgehend minimiert werden.

Auf eine Anordnung von durchgängigen Gebäudetrennfugen soll verzichtet werden, da diese aufwendig in der Herstellung, kostenintensiv und wartungsanfällig sind - das hat zumindest unsere Erfahrung gezeigt.

Wir spielen aktuell mit dem Gedanken, temporäre Schwindgassen (Hydratationsgassen) vorzusehen. Das Schwinden der Decke findet grundsätzlich über einen sehr langen Zeitraum statt. Die Empfehlung der Fachwelt geht dahin, die Schwindgassen erst nach 3-4 Monaten zu schließen. Solange kann aus Gründen des Bauablaufs zwar nicht gewartet werden, aber die kritische Anfangsphase dürfte bereits nach 3-5 Wochen entschärft sein. Die Decken sollen zusätzlich auf den vollen zentrischen Zwang aus abfließender Hydratationswärme bemessen werden, der Einsatz von schwindarmen Betonen mit entsprechender Nachbehandlung ist ebenso vorgesehen. Keine Sichtbetonflächen geplant.

Weitere positive Effekte, die das Außenmauerwerk betreffen (besonders Dachdecke), sind ebenso bereits in unsere Vorplanung eingeflossen (grundsätzlich möchten wir natürlich sichergehen, Risse weitestgehend im Mauerwerk zu vermeiden!):
-kurze Wandabschnitte der Ziegelaußenwand durch geschosshohe Fenster- und Türöffnungen sind größtenteils gegeben
-die aus Schallschutzgründen durchgeführten Innenwände in der Außenwand sind ebenso als spannungsabbauende Maßnahme gegeben

Nun meine Fragen:
-Konnte jemand von Euch bereits Erfahrungen mit Schwindgassen sammeln? Wenn ja, worauf sollte (noch) geachtet werden?
-Gibt es sonst noch weitere Empfehlungen von euch?


Vielen Dank und beste Grüße
A. Mayr
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Achim
 
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Re: Schwindgassen Massivbau

Ungelesener Beitragvon FertigTeilchen am Mo 19. Okt 2020, 13:33

Wir tendieren auch in Ihrem Bsp. BV zu einer integralen fugenlosen Bauweise.
Die Frage der Zwängungen und Hydratationslängenänderungen sind aber in der Tat zu beachten.
Evtl. Momentengelenke in der Bemessung anordnen ......
Eine Elementdeckenbauweise hilft auch schon ..........
FertigTeilchen
 
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Re: Schwindgassen Massivbau

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Di 20. Okt 2020, 08:02

Moin, moin,

also ich modelliere solche "Fugen" gern durch die Eingabe eines Momentengelenkes.

Für die Ausführung würde ich Rippenstreckmetall verwenden und je nach gewähltem statischen Modell entweder die Biegebewehrung durchführen oder eben trennen.
So lassen sich auch sinnvolle Betonierabschnitte wählen und ausführen, indem z. B. zunächst die linke untere Ecke betoniert wird, dann wird das übernächste Feld betoniert und dann erst das dazwischenliegende.

Viele Grüße aus dem Norden
Dieter B. aus B.
 
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