Schneelast Schneeüberhang Se Dachausbau Pfettendachstuhl

Schneelast Schneeüberhang Se Dachausbau Pfettendachstuhl

Ungelesener Beitragvon Resi am Mo 25. Mai 2020, 20:33

Hallo liebe helfende Hände / Köpfe,
ein Thema das mich schon länger umtreibt nun vllt. ein bisschen zu lang geworden. Vielleicht tut es sich ja jemand an...

folgendes Bauvorhaben: Baujahr 1945, Bayern, akt. Schneelastzone 3, HüNN=660 m, Pfettendachstuhl (Firstpfette, 2 Mittelpfetten, 2 Traufpfetten, 1,5m Dachüberstand. Ich meine das heißt "3-fach stehender Pfettendachstuhl".
Aktuell sind nur Schalung, Lattung und Ziegel drauf.

Mein Auftrag: Ich soll den Dachstuhl für einen Dachgeschossausbau, innenseitige Sparrenverstärkung wird favorisiert, innenseitige Dämmung und Bekleidung + zusätzlich Photovoltaikanlage aussen, das ganze statisch überprüfen. Also auf eine Neueindeckung mit oberseitiger Verstärkung der Sparren soll möglichst verzichtet werden.

Wenn ich die Sparren rechne schaut es abgesehen von der Traufkragarmverformung gar nicht so schlecht aus bei den aktuellen Schneelastannahmen, vorausgesetzt ich lasse die Linienlast Se (Schneeüberhang) weg.

Jetzt habe ich folgende Laststellungen (LS) durchgespielt:
- LS1 gBestand + Schnee
- LS2 gBestand + Schnee + Traufschneelast
- LS3 gBestand + gAusbau + Schnee
- LS4 gBestand + gAusbau + Schnee + Traufschneelast

Bei LS1 sind die Festigkeitsnachweise gerade noch eingehalten. Jedoch der Nachweis der Kragarmvervormung hinkt schon (2,3>1)Feldverformungen gerade noch ok
Bei LS2 (also mit der Traufschneelast Se) ist der Festigkeitsnachweis (Stützmoment) über dem Traufauflager natürlich überschritten (1,45>1), Nachweis der Kragarmverformung jetzt natürlich um so mehr überschritten(3,5>1), Feldverformungen jetzt auch überschritten (1,15>1)
Bei LS3 Festigkeitsnachweise ca. wie bei LS1 in Ordnung, Kragarmverformung wie bei LS1 (2,25>1) es verändern sich nur die Feldnachweise sind aber genauso noch eingehalten wie bei LS1
Bei LS4 (also wieder mit Traufschneelast Se) ist der Festigkeitsnachweis über dem Traufauflager natürlich wieder überschritten (1,45>1), Kragarmverformung wieder 3,5>1, Feldverformung 1,2>1

Fazit: Sparrenverstärkung für die Felder eigentlich nötig (für das obere), da der Verformungsnachweis hier ca. 15-20% überschritten ist. Die Festigkeitsnachweise (1,45) als auch die Kragarmverformung (3,5) überschritten ist. (Das ganze in den Laststellungen LS1 und LS3 mit Se)

Nun ist es so, dass das Vordach schlecht zu verstärken ist weil dann seitliche Laschen im Vordach optisch untragbar wären.

Also dem Bauherrn sagen dass sein Dachstuhl von unten nicht zu verstärken ist?

Angenommen ich müsste den Traufüberhang nicht berücksichtigen?
Nun steht ja im EC1 1-3 6.3 (1) von 2010 steht dass empfohlen wird die Linienlast erst bei Lagen höher als 800 m über dem Meeresspiegel anzuwenden
Im Nationalen anhang von 2010 steht dass der Nachweis der auskragenden Dachteile unabhängig von der Höhenlage zu führen sind, soll dann m. E. heißen dass der Schneeüberhang in Deutschland dann doch berücksichtigt werden muss.
Dann heißt es weiter man könne auf den Ansatz von Se verzichten wenn man über der Dachfläche verteilt Schneefangkitter anordnet (oder vergleichbare Einrichtungen, was auch immer das heißt??)...also schlussendlich wenn das ungehinderte abgleiten wirksam verhindert wird. Die vorgesehene Fotovoltaikanlage kann das wohl nicht. Also müsste ich um die Trauflast nicht ansetzen zu müssen zwischen den Photovoltaikpaneelen mehrere Schneefanggitterreihen auf dem Dach verteilen. Sehe ich das richtig?

Nun viel wird es mir ja nicht bringen weil ja bei LS1 die Kragarmverformung auch schon nicht stimmt.
Daher überlege ich mir auch ob man nicht auch so argumentieren könnte:
Argumentation Bestandsschutz: "Einfach" so tun wie wenn die heutige neue Ausbaulast schon damals beim Bau vorhanden gewesen wäre (das wäre ja LS3). Eine Erhöhung der Feldlast wirdt ja leicht begünstigend für die Kragarmverformung. Also blende ich quasi die Traufe aus weil es ja damals auch schon so aktzeptiert war. So müsste ich an der Traufe nichts verstärken, sondern nur die Felder ertüchtigen, was ja leicht von innen ginge.

Wie seht ihr das ganze Thema?

Über Anregungen / Einschätzungen der Situation würde ich mich freuen
Vielen Dank
Silvi
Resi
 
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Re: Schneelast Schneeüberhang Se Dachausbau Pfettendachstuhl

Ungelesener Beitragvon K. Hümmerich am Di 26. Mai 2020, 07:56

Hallo u. guten Morgen
sieht wahrlich nicht so gut aus, doch zunächst habe ich nur die Frage:
was ist mit dem Wind?
K. Hümmerich
 
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Re: Schneelast Schneeüberhang Se Dachausbau Pfettendachstuhl

Ungelesener Beitragvon Resi am Di 26. Mai 2020, 14:10

Ja den Wind vergesse ich natürlich nicht. Mir ging es darum wie ihr das mit dem Traufüberhang löst, gerade im Bestandsumbau. In den oberen Schneelastbereichen mit größerem Vordach ist die ja meistens bemessungsrelevant....
Resi
 
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Re: Schneelast Schneeüberhang Se Dachausbau Pfettendachstuhl

Ungelesener Beitragvon K. Hümmerich am Di 26. Mai 2020, 16:15

Hallo nochmal,

hier noch eine wichtige Unterlage:


https://mil.brandenburg.de/media_fast/4 ... ASSUNG.pdf

Krüße KH
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